Überspringen zu Hauptinhalt

Das europäische Recht auf Reparatur ist beinahe durchgesetzt, allerdings wird es weniger ehrgeizig, als das Europäische Parlament wollte. Der Rat der Europäischen Union und das Europaparlament erzielten am 2. Februar eine vorläufige Einigung zum Thema. Das Gesetz tritt in Kraft, nachdem es von beiden Einrichtungen formell angenommen ist.

Zusätzliches Jahr Garantie nach einer Reparatur

Einer Pressemitteilung der EU zufolge lässt das neue Gesetz es für Verbraucher attraktiver werden, kaputte Dinge reparieren zu lassen. So werden demnächst Hersteller verpflichtet sein, kaputte Gegenstände, die noch unter Garantie fallen, reparieren zu lassen, wenn Kunden das wünschen. Nach Ablauf der Garantie muss Reparatur als eine Möglichkeit angeboten werden, und zwar zu einem angemessenen Preis und innerhalb einer angemessenen Frist. Des weiteren erhalten Produkte nach einer Reparatur ein zusätzliches Jahr Garantie. Andererseits bleibt Verbrauchern das Recht erhalten, sich doch für Ersatz zu entscheiden, wenn ein Produkt innerhalb der Garantieperiode kaputtgeht.

Ein europäisches Reparaturformular soll klare Information zu Bedingungen, Preisen, Fristen usw. geben. Die Verwendung dieses Standardformulars wird nicht obligatorisch, sondern bleibt fakultativ. Es wird auch eine europäische online Plattform geben, über die Verbraucher und Reparaturanbieter miteinander in Kontakt kommen können.

Keine Behinderungen für Verwendung von Ersatzteilen aus zweiter Hand oder dem 3D-Drucker

Unter dem neuen Gesetz müssen Hersteller allen Parteien, die sich mit Reparatur beschäftigen, Ersatzteile zu einem angemessenen Preis verfügbar machen. Auch dürfen sie unabhängige Reparateure nicht bei der Verwendung von Ersatzteilen aus zweiter Hand oder mit dem 3D-Drucker gedruckten Ersatzteilen behindern.

Die Einigung nimmt nicht Stellung zu anderen Aspekten, die bei Reparatur relevant sind, wie Reparaturanleitungen und speziellem Werkzeug. Das Europäische Parlament wollte, dass außer Ersatzteilen all dies ebenfalls allen Reparateuren einschließlich Verbrauchern zur Verfügung steht – darunter also auch Repair-Café-Reparateuren.

Einigung bleibt vage zu Kosten für Reparatur

Auch zu Kosten für Reparatur bleibt die Einigung vage. Was ein „angemessener” Preis ist, kann von verschiedenen Parteien unterschiedlich interpretiert werden. Ferner muss das Reparaturformular gratis erhältlich sein, doch ist es zugleich gestattet, Konsumenten für die Erstellung einer Diagnose bezahlen zu lassen. Zu guter Letzt geht die Einigung nicht weiter auf den Wunsch des Europäischen Parlaments ein, dass mehr Länder Reparaturgutscheine und andere finanzielle Anreize ins Leben rufen sollten, um Reparatur attraktiver zu machen, wie unter anderem bereits in Österreich und Frankreich geschehen.

Das Recht auf Reparatur gilt vorläufig nur für eine kleine Anzahl von Produktgruppen, nämlich nur für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Trockner, Fahrräder, Kühlschränke, Schweißgeräte, Bildschirme, Server, Smartphones/Tablets und Staubsauger. Diese Liste kann zu einem späteren Zeitpunkt um weitere Produkte ergänzt werden.

Martine Postma: „Repair Cafés bleiben notwendig als Ersthelfer bei Problemen mit Dingen.“

Repair Cafés bleiben weiterhin notwendig als Ersthelfer bei Problemen mit Dingen

Direkt nach dem Erscheinen der Nachricht über das Gesetz zum Recht auf Reparatur erhielten verschiedene Repair Cafés Besuch von Journalisten, die wissen wollten, ob Repair Cafés zukünftig noch notwendig sein werden. Martine Postma von Repair Café International hat daran keinen Zweifel. „Repair Cafés bleiben notwendig als niedrigschwellige Ersthelfer bei Problemen mit Dingen. Es ist schön, dass wir uns demnächst mit einem kaputten Staubsauger zu einem angemessenen Betrag an einen professionellen Reparateur wenden können. Aber in vielen Fällen ist das gar nicht nötig. Zu Repair Cafés werden zum Beispiel viele Staubsauger mitgebracht, deren Saugkraft nachgelassen hat. Oft zeigt sich dann, dass eine Verstopfung im Schlauch festsitzt oder dass ein Filter ausgetauscht werden muss. Oder, noch einfacher, dass der Staubsaugerbeutel voll ist und gewechselt werden muss. Mit solchen Problemen will man einen professionellen Reparateur nicht behelligen.”

Martine hofft und erwartet, dass es durch das Gesetz zum Recht auf Reparatur zu mehr professionellen Reparateuren kommen wird. „Die sehe ich als sehr notwendige Bereicherung der Reparatur-Infrastruktur, also neben den und nicht statt der Repair Cafés. Im Repair Café sieht man, dass reparieren eine prima Option ist. Man erhält Hilfe bei einfachen Reparaturen und Beratung zum Umgang mit einem Gegenstand. Damit kann man das Leben eines Produktes schon ziemlich verlängern. Wenn dann wirklich etwas nicht stimmt, tritt der professionelle Reparateur in Erscheinung. So sollte es gehen.”

Mehr Information

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen